
Von Pentagrammen, Faeries und Kollektivismus
Die Natur unserer Gatherings (Treffen) ist kollektiv. Wir kommen zusammen, um in einer Welt zu leben, in der das Miteinander-Teilen, der Austausch sich nicht nur auf unseren gemeinsamen physischen Raum und unser Essen, sondern auch auf unsere inneren Räume bezieht.
Unser Kollektivismus versucht sich auf dem, was man die fünf Ebenen der Existenz nennen könnte, zu verwirklichen: Wir teilen und nähren unseren Intellekt und unser Bewußtsein und wahren die Vorsicht vor den Gefahren des Gruppendenkens und der mentalen Konformität.
Unser Wille, oder vielleicht sollte ich besser sagen, unsere Fähigkeit, eine Idee zu entwickeln und sie bis zum Ausreifen in uns zu tragen, wird entwickelt und gefördert im Gruppenzusammenhang und ebenso auf der individuellen Ebene. Dies ist das, was wir als die Bestärkung bezeichnen, die wir fühlen, wenn wir zusammenkommen, und die neugewonnene Stärke und Kraft, die viele von uns mit nach Hause nehmen, wenn wir die Gatherings verlassen.
Unseren Emotionen und unserer Intuition wird die Freiheit gegeben, sich auszudrücken und einfach da zu sein, in einem Rahmen, der weiter und größer ist als die üblichen gesellschaftlich erlaubten Umstände wie z.B. Therapie, Beratung oder die Beziehung zwischen zwei Liebhabern allein.
Unsere Körper verbinden sich mit anderen Körpern und mit der natürlichen Welt welche uns umgibt in einer Weise, die öffentlich und offen ist, nicht geheim und in düsteren, schwach beleuchteten Verschlägen und Hinterzimmern.
Und, zu guter Letzt, wird unser Geist, unsere Spiritualität ermutigt, sich zu entwickeln, in Ritualen und Meditationen, die wir gemeinsam erschaffen und praktizieren.
Wir haben keine herrschende Körperschaft, die beansprucht, uns zu repräsentieren und die Gefolgschaft einfordert gegenüber den Aussagen von Faerie-"Führern" oder "offiziellen" Faerie-Schamanen und deren Visionen. Wir sind eine Konspiration von Gleichen, von denen einige über dieses und andere über jenes Bescheid wissen, bei denen aber Wissen und Verstehen niemals in autoritärer Weise pervertiert werden zu einer Form von Beziehung, bei der einer durch Wissen herrscht und ein anderer beherrscht wird. Wir haben keine Führer und darüberhinaus lehren wir uns und einander, daß wir weder welche wollen noch welche brauchen. Dies ist vielleicht eine unserer radikalsten und potentiell kreativsten/bedrohlichsten Visionen, für die "normale" wie auch für die schwule Gesellschaft.
Was unsere Gatherings möglich machen, was sie in uns hervorbringen und befreien, muß in die Welt unsrer täglichen Leben zurückgebracht werden. Die Einsichten, die wir erschaffen, erlangen und miteinander teilen, müssen über die wenigen Tage unserer Gatherings hinausreichen und bestehen können, andernfalls werden sie verkümmern und dann, wenn sie beim nächsten Mal wieder hervorgeholt werden, fühlen sie sich eher an wie Klischees und Posen als wie etwas dynamisches, wachsendes, lebendiges ...
Um jenen zu antworten, die Anbetung dort sehen, wo Kameradschaft intensiv ist und überfließt, kann ich sagen, daß das, was wir tun ein fortlaufender Prozeß der Entgiftung unseres sozialen wie auch unseres inneren Selbst ist. In unserer Entwicklung haben wir bewußt und unbewußt aus uns selbst heraus die machtvolle, engelgleiche Göttin des Schutzes und der Sicherheit hervorgebracht, die Göttin der Befreiung von physischem Druck und individueller Selbstsucht, so daß wir den Raum erschaffen konnten, in dem wir uns frei fühlen können von vorgefertigten Formen und Mustern ...
Copyright des amerikanischen Originals © Joey Cain, aus "Hey, Girls! Check this out ...", einem Handbuch für das Napa Gathering, USA Oktober 1983 Copyright der deutschen Übersetzung und Bearbeitung © kandayata, Heidelberg/Berlin 1991/1998
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zuletzt bearbeitet im januar 2003

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