
Spiritualität: Eine Einführung
Es gibt unendlich viele Definitionen von
Spiritualität, tatsächlich sind es wohl ebenso viele wie es
Menschen gibt. Jeder hat sein ganz persönliches Verständnis von
Spiritualität. Hier dasjenige, welches diesen Sites zugrunde liegt:
Es gibt zwei besonders wichtige Aspekte der
Spiritualität:
1. Selbst-Erkenntnis und
Authentizität: Unsere Beziehung zu Uns Selbst.
Wir Menschen besitzen die unglückselige
Befähigung, von unserem wahren Selbst abgetrennt zu werden. Die
Gesellschaft versucht, uns in akzeptable Rollen und Identitäten
zu drängen, aber wir passen nicht immer in die Kategorien, die
die Gesellschaft vorgibt. Unsere Unterdrückten Gaben,
Fähigkeiten und Identitäten strecken weiterhin die Köpfe
heraus, und Teil eines heilsamen spirituellen Weges ist es, diese
unterdrückten Aspekte unseres Selbst zu entschleiern und ein
Leben voller Authentizität zu führen. Wir entdecken die
Wahrheit über uns selbst. Wir alle müssen unsere
Einzigartigkeit entdecken, aber für schwule Männer ist das ein
ganz besonderes Anliegen. Was unterdrückt wurde ist unsere
allerinnerste Fähigkeit zu lieben. Das bedeutet, daß ein
heilsamer spiritueller Weg uns hilft, unser SchwulSein in seiner
ganzen Dimension zu entdecken, uns damit wohl zu fühlen und uns
als authentische schwule Männer zu erleben und zu feiern. Zu
entdecken, wer wir sind, und unsere Einzigartigkeit erblühen zu
lassen ist nur der Beginn des spirituellen Weges.
2. Entwicklung der Tugend: Unsere
Beziehung zu Anderen und der gesamten Schöpfung.
Spiritualität ist unabdingbar verbunden mit
der Art, wie wir zu Anderen und der gesamten Schöpfung in
Beziehung stehen. Heilsame Spiritualität befördert Liebe,
Mitgefühl, Wahrheit, Freigiebigkeit, Vergebung, Toleranz, Frieden und Mut. Heilsame Spiritualität vertieft unsere aktive
Sorge für die Umwelt und betrachtet tiefe innere Entrüstung im
Angesicht sozialer Ungerechtigkeiten als Tugend. Unheilsame
Spiritualität bewirkt das genaue Gegenteil: Genaugenommen könnte
man sagen, daß ein Blick auf die Ergebnisse und Wirkungen von
spirituellen Wegen und Ausrichtungen einem ein recht klares
Gefühl für deren Wahrhaftigkeit oder Falschheit gibt.
Unheilsame Spiritualität führt zu Haß, Intoleranz, Gier,
Angst, Neid, Eifersucht, Vergeudung, sozialer Ungerechtigkeit,
Krieg und einem Mangel an Mitgefühl. Manche spirituelle Wege,
hier besonders Religionen, reden große Worte, wenn es aber ums
Handeln geht, versagen sie. Wenn Sie einen spirituellen Weg
betrachten, scheuen Sie sich beides an: seine Lehren und
Weisheiten wie auch die Art, wie die Menschen, die diesem Weg
folgen ihr Leben im Hier und Jetzt wirklich führen.
Unsere Beziehung zu uns selbst, zueinander und zur gesamten Schöpfung erinnert uns daran, daß jeder und jede und alles Manifestationen des einen größeren Mysteriums sind, welches keinen Namen hat und menschliches Verstehen übersteigt.
Eine schwul orientierte Spiritualität
erfordert, daß wir das SchwulSein als Ausgangspunkt der Suche
ansehen - was ist SchwulSein? Warum sind Männer Schwul? Was
könnte die transzendentale oder heilbringende Tugend des
SchwulSeins sein? Was könnte ich durch mein SchwulSein
einbringen, was ein Anderer nicht ebenso könnte?
Eine inspirierende Geschichte wird in San
Francisco über die Eröffnung eines lokalen Zen-Zentrums
erzählt. Ein vornehmer gestrenger Zenmeister erschien, um der
Versammlung von Zen-Praktizierenden vorzustehen. Jedermann
erwartete, daß er eine typische Dankesadresse loswürde,
nichtssagend und ohne Belang. Er erstaunte alle, als er
verkündete, daß man solange nicht Zen praktiziere wie man noch
"in the Closet", wörtlich "im Schrank"
säße - eine amerikanische Redewendung, die sich darauf bezieht,
noch "in the Closet" zu sitzen, also im Schrank, will
sagen: sein (schwules) Coming-Out noch nicht vollzogen hat.
Entzückende, weise und einsichtige Worte von einem religiösen
Lehrer, speziell einem, der heterosexuell ist. Was er über die
Notwendigkeit des "Out"-Seins, also des
Offen(schwul-)Seins zur Praxis des Zen gesagt hat gilt für alle
spirituellen Wege. Wahrheit ist grundlegend für ein heilsames spirituelles Leben und absolut notwendig, um spirituell
authentisch zu sein.
Es gibt unendlich viele Weg hin zu einem heilsamen spirituellen Leben, und sie sind so einzigartig und verschieden wie jedes Individuum. Zu den Wegen, die schwule Männer gehen gehören Psychotherapie, Religion, Traumstudien, Yoga, Gärtnerei, Ritual, Sex, Meditation, Erholungsgruppen, Tanz und noch mehr. Entweder allein oder im Zusammenkommen mit anderen haben viele schwule Männer eine Tür zu einem reichen und heilsamen spirituellen Leben aufgetan.
Gleich, welcher Weg oder Wege gewählt wurden, das Ziel ist dasselbe. Tatsächlich ist es Dasselbe für alle Menschen, ob sie nun schwul sind oder nicht. Dieses Ziel ist, in unseren Tugenden zu wachsen, den inneren Werten und spirituellen Energien, die unser gemeinsames Leben auf diesem Planeten möglich machen. Diese Tugenden sind Liebe, Mitgefühl, Vergebung, Freigiebigkeit, Freundlichkeit, Gerechtigkeit, tiefe innere Entrüstung über Ungerechtigkeit, Mut und eine Vielzahl weiterer.
Spiritualität ist nicht einfach nur ein Aspekt unseres Lebens. Wie wir Geld verdienen, wie wir es ausgeben, wie wir unsere Zeit verbringen, wie wir andere behandeln, all die Entscheidungen, die wir jeden Tag fällen, all dieses ist unsere Spiritualität. Alles, was Teil unseres Lebens ist, all unser Erleben und Empfinden ist Teil unserer Spiritualität. Nicht länger noch kann Spiritualität von dem, wer wir sind getrennt werden, von unseren Leidenschaften, von der Art, wie wir unser Leben gestalten.
Es sollte klar sein, daß jeder eine Spiritualität besitzt, ein spirituelles Wesen ist, und daß es unendlich viele spirituelle Wege gibt. In spirituelle Wege schwuler Männer finden Sie mehr darüber, wie schwule Männer ihre Spiritualität erleben.
Copyright © Text, Zusammenstellung,
Kommentar, Übersetzung, Grafik, Satz und Layout:
kandayata
1991-2003.
Copyright © von Teilen des Textes im amerikanischen Original
1996 Bob Barzan, San Francisco,
USA.
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zuletzt bearbeitet im januar 2004
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